Pioneer am rechten Flügel der FAETA

FAETA 321- Überführung

“Die Maschine steht abholbereit in Nymburk, ca. 20 Flugminuten östlich von Prag”. Mit diesen Worten löst Jaroslav Michal, der ATEC Händler für Deutschland bei uns “SFC-lern” eine Welle der Begeisterung  aus. Unser neues Ultraleicht, eine ATEC FAETA 321, erst Anfang August auf der Hahnweide Probe geflogen und Mitte August bestellt, ist tatsächlich schon fertig. Sofort laufen die Vorbereitungen zur Abholung des heiß ersehnten Nachfolgers unserer geliebten “Porsche-Jodel”  einer Robin DR400 Remorqueur mit dem legendären Sechszylinder Porsche Flugmotor an. Wir mussten uns letztes Jahr von der viersitzigen Sportmaschine  trennen, weil die Lebensdauer des seltenen Motors (weltweit existieren nur noch einige wenige Exemplare) aus der schwäbischen Sportwagen-Schmiede fast abgelaufen war und auch die normalen Wartungskosten immer höher wurden.  Die Neue ist ein schnelles und komfortables zweisitziges Ultraleicht-Flugzeug mit der Fähigkeit Segelflugzeuge bis 750 Kilogramm schleppen zu können.

Am Donnerstag den zweiten Oktober, bereits zwei Tage nach der erfreulichen Mitteilung, ist eine Abholtruppe zusammengestellt. Als wir gegen neun Uhr auf der Hahnweide eintreffen, wabern allerdings noch dichte Nebelschwaden über den Platz. Es dauert schließlich bis zum frühen Nachmittag, bis die Maschinen von der Piste 31 abheben können.  Im Verband fliegen insgesamt drei Maschinen mit Kurs 67 Grad in Richtung tschechische Grenze. In der ersten Maschine, einer schnellen Pioneer 300 befindet sich Manfred Eberhard, der Besitzer und Erbauer der Maschine, ich bin der Co-Pilot. Die zweite Maschine des Verbands,  eine FAETA 321 Vorführmaschine ist mit Jaroslav und Gerhard Brenner besetzt. In der dritten Maschine fliegen Josef Stellbauer mit Michael Wojczinski vom Nürtinger Club in ihrer ATEC Zephyr.

Vorbei am Schwäbisch-Fränkischen Wald und dem Fränkischen Seenland geht es in die Oberpfalz. Josef muss aufpassen, dass die Zephyr nicht abgehängt wird. Manfred dreht den Constant-Speed Propeller auf 4000 Touren und regelt den Ladedruck ans untere Limit. So fliegt der “Rote Baron”, wie die silber-rot lackierte Pioneer spaßeshalber genannt wird mit ungefähr 180 km/h an seiner unteren Grenze und die Zephyr kann mithalten. Jaroslav meldet unseren Verband bei Praha Information an, um eine für uns ziemlich teure “Identifikation” durch tschechische Abfangjäger zu vermeiden. Kurz darauf überfliegen wir die Grenze in Richtung Prag. Wegen unseres späten Starts von der Hahnweide haben wir den Plan geändert. Da wir die Abnahme und Einweisung unserer FAETA heute nicht mehr schaffen, werden wir zuerst nach Letnany und morgen früh dann weiter nach Nymburk fliegen. Letnany, der kleine Grasplatz im Nordosten Prags, ist wegen seiner Stadtnähe ideal für einen Aufenthalt in der tschechischen Hauptstadt. Kaum zehn Minuten Fußmarsch vom Flugzeug zur Metro-Station Letnany bedeuten eine rasche Anbindung an die Metropole. Wir fliegen über den südlichen Pflichtmeldepunkt ROMEO in die Prager Kontrollzone und landen auf der sehr welligen Südpiste 05.

SFC Flugzeug-Verband in Letnany
SFC Flugzeug-Verband in Letnany

Nachdem alle Maschinen verzurrt sind, befinden wir uns auch schon auf dem Weg ins Hotel, welches Jaro für uns kurz nach der Landung gebucht hatte.  Wir haben Hunger und Durst, deshalb treffen wir uns kurz nach dem Einchecken in einem der Hotel-Restaurants zum Abendessen. Bei gutem Essen, Bier und Wein lassen wir den erlebnisreichen Tag mit Flieger-Geschichten ausklingen.

Freitag 03.  Oktober 2014: Wir wollen möglichst rasch in Nymburk   sein. Deshalb treffen uns bereits kurz vor sieben zum Frühstück. Danach geht es wieder mit der Metro quer durch Prag zum Flugplatz Letnany. Hier werden die Flugzeuge betankt und gecheckt bevor wir uns wiederum im Verband nach Nymburk aufmachen. Über die östlichen Pflichtmeldepunkte MIKE und LIMA werden wir aus der Kontrollzone herausgeführt. Nach zwanzig Minuten Flugzeit stehen wir in Nymburk vor dem ATEC Hangar und nach der Begrüßung von Petr, dem ATEC Eigner und Milan, einem ATEC Mitarbeiter, stehen wir staunend vor unserer neuen EF.

Verband in Nymburk LKNY
Verband in Nymburk LKNY

Schön sieht sie aus! Vom Finish fast wie ein Segelflugzeug, ganz in weiß noch ohne Dekor. Das wollen wir bei Gelegenheit selbst anbringen. Jetzt werden alle Details der Neuen gründlich unter die Lupe genommen. Der Traffic Monitor ist noch so zu programmieren, dass er das eigene Transponder-Signal ignoriert und nicht ständig Fehlalarm ausgibt.

Herstellung der Datenverbindung
Herstellung der Datenverbindung
Traffic-Monitor wird programmiert
Traffic-Monitor wird programmiert

Irgendwann ist es schließlich soweit: Rollout der EF zur Platzrunden-Einweisung von Gerhard, unserem Ausbildungsleiter.

D-MGEF alias OK-RUV45
D-MGEF alias OK-RUV45
Weich aufgesetzt :-)
Weich aufgesetzt :-)

Es werden einige Starts und Landungen absolviert, bis Jaro und Gerhard zufrieden sind. Nachdem die Maschinen betankt und gecheck sind, heißt es Abschied zu nehmen von Petr und Jaroslav. Milan hatte sich ebenso wie die Kameraden vom Nürtinger Flugsportverein schon vorher verabschiedet.

Manfred fliegt im roten Baron voraus, Gerhard pilotiert unsere FAETA, ich sitze wieder rechts. Da wir für die Überführung und Stückprüfung nur eine vorläufige Verkehrszulassung erhalten haben, fliegen wir mit zwei Kennzeichen. Bis zur Grenze melden wir uns mit tschechischer Kennung OK-RUV45, dem ATEC Überführungskennzeichen und in Deutschland dann mit D-MGEF. Die beiden letzten Buchstaben unserer Kennung bedeuten übrigens Ebersbach Fils. Wir fliegen an Pilzen vorbei ziemlich genau auf Westkurs. Unterwegs warnt uns noch Josef, dass die Sicht westlich von Prag sehr schlecht wird. Wir steigen so hoch es geht, um über den Wolken zu sein. Die Sicht wird zunehmend besser. Unterwegs probieren wir den Verstellpropeller aus. Die Ladedruckanzeige vermissen wir jetzt doch.  Ruck zuck sind wir über die Grenze geflogen. Ist doch schön schnell unterwegs, unsere EF! Vorbei geht es an Bayreuth und Bamberg. Kurz darauf melden wir uns in Haßfurt. Mit freundlichem, fränkischem Akzent werden wir begrüßt. Gerhard setzt die EF weich auf die Piste 11 auf und wir rollen zum Abstellplatz. Direkt hinter uns setzt Manfred auf und rollt uns hinterher. Gerhard bleibt mit der EF in Haßfurt, da dort für morgen früh die Stückprüfung anberaumt ist. Manfred und ich starten in Richtung Hahnweide. Nach einem kurzen Flug in wunderschöner Abendstimmung setzt die rote Pioneer schon zur Landung auf der 07 an.
Am Abend werden die Kameraden bei einem Bier in der Hahnweide Kneipe informiert und der Entschluss gefasst, den roten Baron noch einmal nach Haßfurt zu bewegen. Die Idee von Manfred ist, dass Udo dann zusammen mit Gerhard die EF auf die Hahnweide bringen soll.
Die Wetterlage am Samstag ist anfangs geprägt von Nebel. Nach verzögertem Start geht es dann endlich in die Luft. Zuerst einmal müssen wir eine geeignete Lücke finden um zu schauen, wie hoch der Restnebel ist. Erweist sich aber als problemlos, denn in knapp 3000ft erleben wir einen tiefblauen Himmel und unter uns die Restwolkenfetzen.

Der rote Baron on Top
Der rote Baron on Top

Nach ca. 30 Kilometer in nördlicher Richtung hat sich dann der Neben aufgelöst und wir haben einen wahren Genussflug nach Haßfurt. Manfred lässt den roten Baron durch die Luft gleiten. Ein tolles Fluggefühl mit einem wunderschönen Flieger. Nach nicht einmal einer Stunde Landung in Haßfurt. Die Kameraden warten schon und haben die Stückprüfung der EF größtenteils abgeschlossen. Ein bisschen Papierkram noch. Jaro und Gerhard nutzen dann die Zeit und gehen mit der EF noch mal in die Luft. Es geht dabei um das Thema Fahrtaufnahme nach dem Steigflug.
Während dessen genießen Manfred und Udo den wunderbaren Kaffee des ansässigen Fliegerclubs in Haßfurt.
Dann geht es Schlag auf Schlag. Landung EF, noch kurz betanken und dann im Verband zurück zur Hahnweide. Udo sitzt jetzt zum ersten Mal in der neuen EF. Kein Vergleich zur alten EF die ja mit fast 220 PS und mit einem Porschemotor ausgestattet war. Annähernd gleiche Reisegeschwindigkeit und sehr gute Ruderabstimmung. Macht total Spass und der Kauf der FAETA war für den SFC die absolut richtige Entscheidung. Nach nicht einmal einer Stunde Flugzeit im Verband mit Manfred und einigen tollen Luftaufnahmen erfolgt die Landung auf der Hahnweide.

Ankunft EF auf der Hahnweide
Ankunft EF auf der Hahnweide

Die Aktion war ein tolles Erlebnis für alle Beteiligten und es hat alles auf Anhieb geklappt.

Ramon Amirpour

Weiter Fotos:

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3 Gedanken zu „FAETA 321- Überführung“

  1. War eine ganz tolle Aktion. Allen Beteiligten noch mal besten Dank für den Einsatz. Alles reibungslos verlaufen und sehr gut vorbereitet!!

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